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The Great European Digital FreakOut

March 1st, 2014 · 1 Comment · Cyberworld, Europe, Intellectuals, Poet, Whatever

Ever since past summer’s revelations by the man-who-should-get-the-Nobel-Peace-Prize of the NSA’s global digital snooping, the Europeans have been freaking out. This morning my beloved France Culture had an hour long program discussing or rather explaining basics of digital communication, for example the difference between email & the web — the difficulty may have lain in the fact that they used a good half-dozen English words (such as “le broadcasting,” “le podcasting,” etc.) & I realized once again that if there isn’t a old-time French word for it, the thing or thought either doesn’t exist or can’t be understood.

Then, second cup of coffee by my side, I checked my trusted Perlentaucher & came to a piece in the FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) by the elder statesman of German poetry & respected intellectual, Hans Magnus Enzensberger (b. 1929). Titled “Enzensberger’s Rules for the digital world: Fight Back,” it is nothing less than the 10 Enzensbergian Commandments for life in this, our 21st century world. I’m appending them all below in German, but will only translate a few, thus for example his first commandment: “If you own a mobile phone, throw it away.” This has as much grip on reality as the Christian strictures against having sex alone or with others. HME’s third rule states that “On-line banking is a blessing, but only for secret services and criminals,” which will get further expanded into a demand for purely cash transactions (had he been French he would probably have suggested people keep all their savings as Louis d’ors under their mattresses). He further demands a total boycott of internet commerce, as well as an immediate stop of email use & a return to handwritten (not typed) postal letters. And so on until we have the canonic ten. I thought, reading them, I’d eventually see the twinkle in his eye, perceive the satiric intent — but no, it looks as if he actually wrote this in all seriousness.

Oh well, let me just remind him how lucky he is: as his commandments are transmitted electronically I can read them here in NY at the same time as they are published in Germany — &, just as important, there was no risk for our octogenarian poeta-magnus to stumble on his way down from his solid Germanic Olympus (there is a slight resemblance with Charleston Heston, though the hairstyle is more up to date) towards the offices of the FAZ, drop his tablets & see them shatter against the rock of reality.

Enzensbergers Regeln für die digitale Welt: Wehrt Euch!
Kopie von Enzensberger bei

© dpaHans Magnus Enzensberger: Hier bei „Beckmann“ über seine Sicht auf die Gefahren der digitalen Welt für die Demokratie sprechend.

Für Leute, die keine Nerds, Hacker oder Kryptographen sind und die Besseres zu tun haben, als sich stündlich mit den Fallgruben der Digitalisierung zu befassen, gibt es zehn einfache Regeln, wie sie sich ihrer Ausbeutung und Überwachung widersetzen können:

1

Wer ein Mobiltelefon besitzt, werfe es weg. Es hat ein Leben vor diesem Gerät gegeben, und die Spezies wird auch weiter existieren, wenn es wieder verschwunden ist. Der abergläubischen Verehrung, die ihm zuteil wird, sollte man nichts abgewinnen. Smart sind nicht diese Geräte oder die sie benutzen, sondern die sie uns anpreisen, um unermessliche Reichtümer anzuhäufen und gewöhnliche Menschen zu kontrollieren.

2

Wer immer einem ein kostenloses Angebot macht, ist verdächtig. Man sollte unbedingt alles ausschlagen, was sich als Schnäppchen, Prämie oder Gratisgeschenk ausgibt. Das ist immer gelogen. Der Betrogene zahlt mit seinem Privatleben, mit seinen Daten und oft genug mit seinem Geld.

3

Online-Banking ist ein Segen, aber nur für Geheimdienste und für Kriminelle.

4

Regierungen und Industrien möchten das Bargeld abschaffen. Ein gesetzliches Zahlungsmittel, das jeder einlösen kann, soll es nicht mehr geben. Münzen und Scheine sind Banken, Händlern, Sicherheitsbehörden und Finanzämtern lästig. Plastikkarten sind nicht nur billiger herzustellen. Sie sind auch unseren Aufpassern lieber, denn sie erlauben es, jede beliebige Transaktion zurückzuverfolgen. Deshalb tut jeder gut daran, Kredit-, Debit- und Kundenkarten zu meiden. Diese ständigen Begleiter sind lästig und gefährlich.

5

Dem Aberwitz, alle denkbaren Gebrauchsgegenstände, von der Zahnbürste bis zum Fernseher, vom Auto bis zum Kühlschrank über das Internet zu vernetzen, ist nur mit einem totalen Boykott zu begegnen. An den Datenschutz den mindesten Gedanken zu wenden fällt ihren Herstellern nicht im Traum ein. Der einzige Körperteil, an dem sie verwundbar sind, ist ihr Konto. Sie sind nur durch die Pleite zu belehren.

6

Ähnliches gilt für die Politiker. Alles, was man gegen ihr Tun und Lassen einwendet, ignorieren sie. Den Finanzmärkten begegnen sie unterwürfig, und gegen das Treiben der Geheimdienste vorzugehen, wagen sie nicht. Interessiert sind sie jedoch daran, wiedergewählt zu werden. Solange das Wahlrecht noch existiert, sollte man ihnen die Stimme verweigern, wenn sie die digitale Enteignung dulden, statt gegen sie vorzugehen.

7

E-Mail, zu deutsch Strompost, ist schön, schnell und kostenlos. Also Vorsicht! Wer eine vertrauliche Botschaft hat oder nicht überwacht werden möchte, nehme eine Postkarte und einen Bleistift zur Hand. Handschrift ist von Automaten schwer zu lesen. Niemand vermutet auf einer Ansichtskarte, die 45 Cent kostet, wichtige Nachrichten. Man braucht also nicht zu einem toten Briefkasten zu greifen, wie er in altmodischen Spionageromanen vorkommt.

8

Waren oder Dienstleistungen via Internet sollte man meiden. Anbieter wie Amazon, Ebay und so weiter speichern alle Daten und belästigen ihre Kunden mit Reklamemüll. Anonymer Einkauf ist besser. Einzelne Adressen, die man gut kennt, können als Ausnahmen durchgehen.

9

Die großen Internetkonzerne finanzieren sich, ebenso wie das sogenannte Privatfernsehen, hauptsächlich durch Reklame. Damit stehlen sie ihren Kunden Zeit und Aufmerksamkeit. Wer einen, in welcher Form auch immer, andauernd anbrüllt oder belästigt, den sollte man abstrafen. Auf alle Angebote, die auf diese Weise vermarktet werden, zu verzichten ist empfehlenswert, ebenso wie Sender, die einen durch Werbung terrorisieren, ein für alle Mal abzuschalten. Das ist nicht nur aus hygienischen Gründen ratsam. Bekanntlich arbeiten besonders amerikanische Großkonzerne eng mit den Geheimdiensten zusammen, um möglichst jede menschliche Regung auszuspähen und zu kontrollieren.

10

Netzwerke wie Facebook nennen sich „sozial“, obwohl sie ihren Ehrgeiz daransetzen, ihre Kundschaft so asozial wie möglich zu behandeln. Wer solche Freunde haben will, dem ist nicht zu helfen. Wer bereits das Unglück hat, einem solchen Unternehmen anzugehören, der ergreife so schnell wie möglich die Flucht. Das ist gar nicht so einfach. Was ein Krake einmal erbeutet hat, gibt er nie wieder freiwillig her.

Mit diesen simplen Maßregeln kann das politische Problem, vor das die Gesellschaft gestellt ist, natürlich nicht gelöst werden. Angesichts der Passivität und der Unterwürfigkeit der hierzulande regierenden Parteien ist es bemerkenswert, wenn sich ein namhafter Politiker überhaupt einmal dazu äußert. Er heißt Martin Schulz und ist nicht nur Präsident des Europäischen Parlaments, sondern sogar Sozialdemokrat. Weder er noch seine Partei hat sich bisher mit Einsprüchen gegen den Sicherheits- und Kontrollwahn hervorgetan. Alle einschlägigen Übergriffe, gleichgültig, ob sie aus dem Ausland kommen oder deutscher Wertarbeit zu verdanken sind, wurden bisher durchgewinkt. Daten speichern, abhören, abwiegeln – das sind die üblichen Verfahren.

Der Schlaf der Vernunft wird bis zu dem Tag anhalten, an dem eine Mehrheit der Einwohner unseres Landes am eigenen Leib erfährt, was ihnen widerfahren ist. Vielleicht werden sie sich dann die Augen reiben und fragen, warum sie die Zeit, zu der Gegenwehr noch möglich gewesen wäre, verschlafen haben.

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One Comment so far ↓

  • Poo

    I may (?) be the only contributor who has actually signed a non-disclosure, secrecy agreement with a government, in this case my own. In full knowledge of the potential penalties, I said nothing. I probably could have over the years as my “secrets” involved only current technology at that time, contracts and participating partners, hardly international stuff but, full disclosure, there it is.

    It is not heroic to break your word or write your own rules, however, the Nobel Prize has so tarnished itself with Obama and Gore it could only do worse by awarding Canada’s own Dr. of Fruit Flies, David Suzuki.

    Government snooping is not new. It was 6th century Chinese general Sun Tzu wrote who wrote in his treatise The Art of War: “Enlightened rulers and good generals who are able to obtain intelligent agents as spies are certain for great achievements.”

    All the major players in Ancient Rome had surveillance networks to provide them with information about those in power. Cicero frequently lamented that his letters were being intercepted. “I cannot find a faithful message-bearer,” he wrote to his friend, the scholar Atticus. “How few are they who are able to carry a rather weighty letter without lightening it by reading.”

    Julius Caesar also had an elaborate spy network which ultimately failed to prevent the Senate-led assassination. I wonder if he knew he was about to be knifed in the back?

    The Roman Catholic Church was more powerful than most governments in the Middle Ages and it had a powerful surveillance network to match. The Inquisition in the late 13th and early 14th Centuries was in part led by French Bishop Bernard Gui. He served as head inquisitor of Toulouse for 15 years. He convicted more than 900 individuals of heresy. He wrote the Conduct of the Inquisition into Heretical Depravity (1323-24) which outlines the means for identifying, interrogating and punishing heretics. The church has always had its spies. I wonder why.

    The 16th century court of Elizabeth I was fertile ground for scheming and spies too. It was her head spy, Francis Walsingham, who intercepted the Spanish letters to England, leading to the imprisonment and eventual beheading of Mary Queen of Scots.

    Robespierre and company watched the population with a wary eye and ruthlessly cracked down on internal dissent during the French Revolution. In 1793, the revolutionary government established 12-member “committees of surveillance” throughout the country. They were authorised to identify, monitor and arrest any suspicious former nobles. This power to snoop and punish also extended to any foreigners, nationals who had recently returned from abroad, suspended public officials and many more. In other words the French revolutionary Government spied on everybody. One can only wonder what they would have done with the internet. Historical estimates state that as many as half a million people were targeted by the surveillance committees. They were most ruthless in the smaller French towns where everyone knew each other. So much for the ‘Good Neighbour Policy’.

    In the 18th and 19th Centuries, European governments undertook surveillance with bureaucratic gusto. Across Europe, departments called “black chambers” read the letters of targeted individuals. Now they read e-mail. What’s the difference?

    The bureaux, usually located in post office buildings, employed a variety of techniques to surreptitiously open, copy and reseal correspondence, then forward it on to the unsuspecting recipients. The industrial revolution was also, apparently, a revolution in spy craft.

    For nearly 40 years the Stasi intelligence service monitored and reported on the activities of its citizens, using the information to stifle unrest. The German Stasi intelligence agency kept files on over 10 million East Germans. It also decrypted communications between foreign delegations and their home countries. By the time the Berlin Wall fell in 1989, the Stasi had grown to more than 91,000 officers, with an active informer network of close to 200,000. The Stasi used modern technology and massive manpower to expand government spying on a previously unimaginable scale. Unimaginable for its time, perhaps, but technology marches on. The snoops always lead the pack. They have to.

    Information and spying won two world wars for the allies. The U.S. entered the surveillance business in earnest following WW II. It began by collecting and monitoring all telegraph information coming into and out of the country as part of Project Shamrock. It also created a “watch list” of US citizens suspected of “subversive” activities whose communications it kept tabs on as part of Project Minaret. The
    operation was taken over by the newly formed National Security Agency (NSA), which co-operated with the FBI and CIA. Both programmes were shut down after an investigation by the US Congress in 1975. Thirty-eight years later, the NSA has rebuilt Project Shamrock using the technology of the information age.

    I could go on.

    Personally, I have always felt spied upon. It began with my parents and continued at school with my teachers. Nothing was sacred. Once in the work force, I acquired a boss who constantly needed to know where I was and what I was doing for some inane reason. He had a boss too. Of course there was the police and Revenue Canada. Then there was the Census with its invasive questions. It never ended.

    In spite of the constant surveillance no doubt now including the RCMP, NSA and the Russians, I soldier on writing rude letters and email. I also make provocative suggestions on the phone to a woman I know. I use four letter words too! I trust it is all being recorded for salacious publication intended to ruin my already tawdry reputation. Perhaps there will be a show trial. Who really knows?

    As my final act of defiance in face of such intrusiveness I am typing this missive with one finger. My other hand is giving a one-fingered salute to the screen where I assume someone is watching, listening and stealing my thoughts.
    I should have brushed my hair.

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